Letztens stand in einer unserer Trainingsgruppen plötzlich eine Frage im Raum. Jemand fragte in die Runde: „Bist du im letzten Jahr eigentlich stärker geworden? Hast du das Gefühl, dass du dich vom letzten Jahr bis heute verbessert hast?“

Diese Frage ist mir hängen geblieben. Weil sie so einfach klingt, aber so viel auslöst. Sie ist ehrlich, sie ist persönlich, und sie zwingt einen, kurz innezuhalten und nachzudenken. Genau darum soll es in diesem Artikel gehen.

Stärker werden ist mehr als Kilos

Ich kann die Frage für mich klar beantworten: Ja. Ich fühle mich stärker als letztes Jahr, und ganz besonders stärker als vor zehn Jahren. Aber, und das ist mir wichtig, es geht dabei nicht darum, dass ich statt 50 Kilo jetzt 100 Kilo Kreuzheben mache.

Stärker werden ist viel umfassender. Mein Rumpf ist stabiler geworden. Meine Beweglichkeit hat sich verbessert. Meine Koordination ist besser. Ich bewege mich sicherer, ich fühle mich belastbarer, mein ganzer Körper arbeitet besser zusammen. Das ist für mich der eigentliche Fortschritt. Die Zahl auf der Hantel ist nur ein kleiner Teil davon.

Genau das ist die Art von Stärke, die im Alltag zählt. Wenn du eine schwere Kiste hebst, wenn du beim Wandern den steilen Weg nimmst, wenn du dich morgens aus dem Bett rollst, ohne dass irgendwo etwas zwickt. Das ist gelebte Stärke.

Zwei Fragen, die du dir stellen solltest

Diese eine Frage aus der Trainingsgruppe öffnet eigentlich zwei größere Fragen. Und beide lohnt es sich, ehrlich zu beantworten.

Die erste Frage: Gehst du überhaupt regelmäßig ins Training? Trainierst du oder nimmst du es dir nur immer wieder vor? Das klingt banal, aber es ist die Grundvoraussetzung für alles Weitere. Ohne Regelmäßigkeit kein Fortschritt.

Die zweite Frage: Was bringst du selbst mit? Wir als Coaches machen sehr viel. Wir achten auf eine perfekte Trainingsplanung, wir sorgen dafür, dass du regelmäßig trainieren kannst, wir korrigieren, begleiten und passen an. Bei uns ist das Training kontrolliert und ordentlich, darauf legen wir größten Wert. Aber ein Teil des Erfolgs liegt bei dir.

„Wenn du für dich feststellst, du bist im letzten Jahr nicht stärker geworden, dann ist das der Moment, dich ehrlich zu fragen: Was bringe ich selbst mit?“

Florian Berlinger, BA

Was die Wissenschaft über Regelmäßigkeit sagt

Hier kommt der entscheidende Punkt, und die Wissenschaft ist sich erstaunlich einig: Regelmäßigkeit schlägt fast alles. Es geht nicht darum, einmal im Monat ein brutales Training zu absolvieren. Es geht darum, kontinuierlich dranzubleiben.

Metaanalyse · 22 Studien zur Trainingsfrequenz

Zweimal pro Woche ist der Schlüssel

Eine umfassende Übersichtsarbeit von 22 Studien zeigt: Die Trainingshäufigkeit hat einen klaren Effekt auf den Kraftzuwachs. Während einmal pro Woche vor allem den Krafterhalt sichert, führen zwei bis vier Einheiten pro Woche zu den besten Anpassungseffekten. Besonders Frauen profitieren messbar von einer höheren Frequenz. Der Sprung von einmal auf zweimal pro Woche bringt dabei den größten Unterschied.

Was bedeutet das praktisch? Eine Trainingseinheit pro Woche ist Erhaltung. Du hältst dein Niveau, du wirst aber kaum stärker. Erst ab zwei Einheiten pro Woche beginnt die echte Entwicklung. Der Körper bekommt genug Reize, um sich anzupassen, und gleichzeitig genug Erholung, um diese Anpassung umzusetzen.

pro Woche sichert vor allem den Erhalt
pro Woche ist unsere klare Empfehlung für echten Fortschritt
80%
unserer Mitglieder, die zweimal trainieren, machen die besten Fortschritte

Genau deshalb empfehlen wir bei BFT zweimal pro Woche als Standard. Das ist keine willkürliche Zahl, das ist die Frequenz, bei der die meisten Menschen den besten Schnitt aus Reiz, Erholung und Alltagstauglichkeit finden. Es ist machbar, es ist nachhaltig, und es wirkt.

Was du selbst mitbringen kannst

Stärker werden ist Teamarbeit. Wir bringen Struktur, Wissen und Begleitung. Du bringst den Rest. Und der Rest ist gar nicht so kompliziert, wie viele denken.

Regelmäßigkeit. Komm mindestens zweimal pro Woche. Trag deine Termine fix in deine Woche ein, wie einen wichtigen Termin, den du nicht absagst.
Präsenz im Training. Sei mit dem Kopf dabei. Wer konzentriert trainiert, holt aus jeder Einheit mehr heraus als jemand, der nur die Bewegungen abspult.
Mut, dich zu fordern. Vertrau uns, wenn wir dich ein kleines Stück über deine Komfortzone hinausführen. Genau dort passiert Entwicklung.
Erholung und Ernährung. Schlaf, ausreichend Eiweiß und Pausen sind kein Nebenschauplatz. Sie sind die Grundlage, damit dein Körper auf das Training reagieren kann.
Geduld und Dranbleiben. Stärke baut sich über Monate und Jahre auf, nicht über Wochen. Wer dranbleibt, gewinnt.

Die ehrliche Bestandsaufnahme

Also, ich gebe die Frage aus der Trainingsgruppe an dich weiter: Bist du im letzten Jahr stärker geworden?

Wenn dein Antwort ein klares Ja ist, dann freue dich darüber. Das ist ein echter Erfolg, und du hast ihn dir verdient. Wenn deine Antwort eher ein Nein oder ein „nicht wirklich“ ist, dann ist das kein Grund zur Enttäuschung. Es ist eine Einladung. Frag dich ehrlich: Komme ich regelmäßig? Bin ich präsent? Was kann ich selbst noch mitbringen?

Und dann lass uns gemeinsam dafür sorgen, dass deine Antwort nächstes Jahr ein lautes Ja ist.

Florian Berlinger
Florian Berlinger, BA  ·  Fitness Coach seit 2005, eigenes Studio seit 2011

„Ich sehe jeden Tag, wer regelmäßig kommt und wer nicht. Und ich sehe die Ergebnisse. Die Mitglieder, die zweimal pro Woche da sind, präsent trainieren und dranbleiben, werden Jahr für Jahr stärker. Das ist kein Geheimnis. Das ist einfach konsequentes Tun.“

„Du musst nicht jede Woche Rekorde brechen. Du musst nur da sein, dranbleiben und ein kleines bisschen mehr wollen als gestern.“

Florian Berlinger · Berlinger Fitness Training